Ein paar Dinge zu Frachtschffreisen aus meiner
Sicht:
Bei dieser sicher etwas anderen Art des Reisens bekommt man einen
hautnahen Eindruck von der Berufsschifffahrt. Wer Technik und
Seefahrt mag, ist hier genau richtig. Auf der anderen Seite ist es
eine wunderbare Möglichkeit zur Ruhe zu kommen. Keine Disco,
Kommunikationsstress und Image-Wettrennen mit anderen Zeitgenossen.
Man hat so viel Zeit wie es der Tag her gibt. Die Mahlzeiten sind
eigentlich der einzige regulierende Aspekt.
Ansonsten: Mal auf dem Peildeck sonnen, ein Spaziergang zum
Vorschiff, ein Umtrunk in der Messe, BBQ auf dem Achterdeck,
Beobachten auf der Brücke, Lotsen beim Dönekeserzählen zuhören, beim
Anlegen dem Kapitän alles Gute wünschen, mit dem Fernglas
Schifferaten spielen, den Nachmittag durchpennen, Ausschau nach
Robben halten, Maschine bestaunen, mal am Autopiloten rumspielen
(verboten !), Radarbilder interpretieren lernen, zollfrei
eingekauftes Bier verzehren, Lotsen beim steuern zuschauen, den
Mondaufgang bewundern, Wellenhöhe schätzen, warten das man seekrank
wird (wird man nicht), auf den nächsten Hafen freuen, Wetterkarten
lesen lernen, die Leute auf den vorbeifahrenden Kreuzfahrtschiffen
bemitleiden, Leuchtfeuer identifizieren, den Matrosen beim
Festmachen zuschauen, aufs Bettchen schmeissen und ein bisschen
dösen...
Herrlich!
So eine Reise kostet immer so zwischen 90 und 100€ pro Tag.
Allerdings wird der Geldbeutel während der Reise komplett geschont.
Ich habe in der Woche 15€ ausgegeben und gut gelebt. Wer noch nie
mit dem Frachtschiff unterwegs war, sollte vor einer mehrwöchigen
Tour unbedingt eine 7 Tagesreise auf einem kleineren Schiff machen
um zu schnuppern. Da bieten sich die Feeder (Containerschiffe um die
130m) an, die fahren von Hamburg in die Ostsee, Finnland, St.
Petersburg, baltische Staaten und Polen oder von Rotterdam nach UK
oder Irland und Atlantikküste. Als nächste Reise kann man dann
längere Touren anstreben, Amerika, Mittelmeer, Afrika. Da werden
dann auch größere Schiffe eingesetzt, meist Containerschiffe um die
250m. Es ist zu empfehlen, eine Kabine mit unverstellbaren Blick
nach draussen zu buchen. Es ist einfach schön raus zu schauen.
Manchmal ist der Schornstein davor, beim Buchen nachfragen. Es gilt
im allgemeinen, je höher die Kabine im Aufbau liegt, desto besser.
Gegessen wird meist in der Offiziersmesse. Wie das Essen ist hängt
vom Koch ab. Wie immer :) Bei einer längeren Reise ist es um so
schöner, je mehr Häfen angelaufen werden (meine Meinung). Man kann
zwar nicht in jedem Hafen von Bord, aber die Ansteuerung, das
Anlegen, die Ladegeschäfte sind richtig interessant.
Auf dem Schiff gibt es laute und leise Plätze. Meist ist die
Maschine deutlich zu spüren. Draussen entlüften recht laute
Ventilatoren die Maschinenräume. Ein Frachtschiff ist eben keine
AIDA xy, aber man gewöhnt sich ganz schnell daran und dann ist alles
prima. Auf dem Vorschiff ist es immer herrlich leise. Nur die
Bugwelle rauscht dahin.
Ich nehme immer ein Fernglas mit. Das ist goldwert. Kein Billigteil
bitte. Um die 100€ sollte man anelgen. Ich habe ein Eschenbach 8x30
Ww. Ideal! Es empfiehlt sich auch ein Sitzkissen mitzunehmen, oder
ein Klappstühlchen. So hat man auch auf dem Vorschiff bequemstes
Wellengucken.
An Frachtschiffreisen kommt man am besten über das Internet. Einfach
danach suchen. Ich habe bis jetzt bei
www.zylmann.de und bei
www.hamburgsued-frachtschiffreisen.de/ und bei
www.hornlinie.de/deutsch/trips.html gebucht.
Und es gibt verbreitet die Meinung, sowas könnte langweilig werden.
Stimmt nicht. Die Zeit fließt dahin. Man schläft wie ein Murmeltier
und hat Appetit wie ein... Lotse :) Allerdings ist die Art zu Reisen
zum Sightseeing weniger geeignet. Der Schwerpunkt liegt bei der
Seefahrt.
Ach ja, man kann so eine Reise sehr gut auch allein machen. Es gibt
immer nette Menschen an Bord. |